Bachs Musik als musikalischer Hafen

Gastbeitrag der Sopranistin Kathrin Hottiger

Bei meinem ersten Auftritt als Solistin mit dem Bachensemble Luzern hatte ich gerade mein erstes Semester meines Masters Performance an der Hochschule Luzern hinter mich gebracht. Dass Franz mich damals, Küken dass ich war, auf der grossen Bühne des KKL singen liess, war unbeschreiblich und wird wohl immer eine ganz besondere Erinnerung bleiben für mich. Seit dem Weihnachtskonzert 2015 sind fast drei Jahre vergangen, ich habe meine Ausbildung abgeschlossen und bin nun seit etwas mehr als einem Jahr als freiberufliche Sängerin im In- und Ausland tätig. Dass ich nun wieder als Solistin mit diesem wunderbaren Ensemble, Dirigenten und Orchester musizieren darf, ehrt und freut mich sehr! Sogar ein bekanntes Gesicht findet sich unter den anderen Solisten: mit Simon Witzig durfte ich damals ein Duett singen!

Die Musik von Johann Sebastian Bach hat für mich eine ganz besondere Bedeutung und wird für mich je länger je mehr zu einer Art musikalischem Hafen. An dieser Liebe zu Johann Sebastian Bach trägt Franz Schaffner keinen unwesentlichen Anteil. Wiederholt durfte ich während des Studiums von seinem grossen Wissen profitieren und habe immer wieder gestaunt, mit welcher Offenheit und Selbstverständlichkeit er uns ermutigt hat, eine eigenständige Interpretation zu suchen. Wieder unter ihm als Dirigenten singen zu dürfen ist deshalb eine ganz besondere Freude!

Im Laufe meiner noch jungen Karriere durfte ich bereits zahlreiche von Johann Sebastian Bachs phantastischen Kompositionen kennenlernen und interpretieren. Immer wieder werde ich von der zwar äusserst komplexen, aber für mich doch sehr unmittelbaren Musik tief im Inneren berührt und inspiriert. Oft spüre ich eine grosse Tröstlichkeit beim Hören und Singen von Bachs Musik, die aber niemals oberflächlich ist, sondern bei der alle Höhen und Tiefen des Glaubens und des Lebens mitschwingen. Die Kantate BWV 37 «Wer da gläubet und getauft wird» ist davon keine Ausnahme.

Besonders freue ich mich dabei natürlich auf den Choral «Wie schön leuchtet der Morgenstern» im Duett mit dem Alt und mit Solocello. Diesen kammermusikalischen Ansatz beim Interpretieren von Bachs Musik empfinde ich als ganz besonders reizvoll. Meine Stimme mit der des anderen Solisten und des Soloinstruments verschmelzen zu lassen, mich vom Instrumentalklang und der Phrasierung der Instrumentalisten inspirieren zu lassen, ist für mich etwas vom Schönsten und Lehrreichsten überhaupt.

Nun wünsche ich Ihnen ein beseeltes und erhebendes Konzerterlebnis, und freue mich sehr auf diese wunderbare Musik!

Kathrin Hottiger

 

September-Konzert: Johann Christian Bach – Johann Sebastian Bach – Joseph Haydn

Nach dem Requiem und dem Miserere, die im März und Juni erklangen, folgen nun noch zwei Einzelsätze mit «Kyrie» und «Credo breve», beides ebensolche Perlen geistlicher Musik des jüngsten Bach-Sohnes, allesamt in Mailand zwischen 1754 und 1762 entstanden.

Alles Notenmaterial aus dieser Mailänder Zeit stammt aus dem Kloster Einsiedeln. Zwischen Mailand und Einsiedeln herrschte im 18. Jahrhundert ein reger kultureller Austausch. Zwischen diesen Orten liegt Bellinzona, damals ebenfalls mit einem Benediktinerkloster, welches unter Einsiedelns Obhut stand. Nach dessen Auflösung gelangten viele Güter nach Einsiedeln, so auch die meisten Musikalien. Damit verdanken wir dem Kloster Einsiedeln das Material, aus dem wir diese wertvolle Musik spielen und singen dürfen.

Und natürlich geht die musikalische Reise weiter mit einer Bach-Kantate. Es ist «Wer da gläubet und getauft wird» zu Himmelfahrt. Trotz Festtag ist die knappe Besetzung hier auffallend, dies aber ohne an Farbenvielfalt einzubüssen. Das Werk erlangte schnell grosse Beliebtheit und Verbreitung – es ist halt einfach eine schöne und frohe Kantate.

Nach den ersten beiden Cellokonzerten von Stamitz und Carl Philipp Emanuel Bach geht es zu den beiden Konzerten von Joseph Haydn, jetzt jenes in D-Dur, dann im KKL das «grosse» in C-Dur. Die Freude, mit unserem Solisten Jürg Eichenberger diese Werke zu musizieren, beflügelt alle Beteiligten. Hier ist Energie pur !

Franz Schaffner

 

Die Schönheit des Nonverbalen

Gastbeitrag von Chorsängerin Greet Roger:

Seit 7 Jahren wohnen mein Mann und ich in der Schweiz und seit 3 Jahren bin ich ein stolzes Mitglied des Chores des Bachensemble Luzern. Meine ehemaligen Chorkollegen in Belgien werden sehr eifersüchtig, wenn ich ihnen sage, dass wir pro Jahr 4 Konzerte mit dem Chor geben, zusammen mit einem ausgezeichneten Orchester und hervorragenden Solisten.

“Aber wie um Himmels Willen machen sie das?” fragen sie, weil sie wissen, wieviel Aufwand und Energie das bedeutet für alle Beteiligten. Und dann erzähle ich natürlich von Franz, von seiner Entourage und von der straffen Organisation jeder Probe und jedes Konzerts. Es ist alles Schweizer Qualität!

Und weiter rede ich dann über das technische Niveau der Gruppe. Meine belgischen Chorkollegen kennen die extreme technische Schwierigkeit, Bach zu singen. Ich versuche ihnen zu erklären, dass es beim Bachensemble eine so große Erfahrung in der Gruppe gibt, dass man sich sozusagen in den Strom treiben lassen kann und “automatisch” mit der richtigen Technik im richtigen Stil mitsingen kann. Bei dieser Gruppe sind nur sehr wenige Wörter nötig, um zu erklären, wie man richtig singt und die Leichtigkeit, mit der der Chor Bach atmet, ist definitiv ein Faktor für seinen Erfolg.

Auf der anderen Seite ist es etwas schwieriger, die künstlerische Qualität der Gruppe als Erfolgsfaktor zu erklären, denn hier betreten wir noch mehr den Bereich des Nonverbalen. Natürlich unterhält sich Franz während der Proben mit uns über den Inhalt der Werke, aber genau hier passiert die Magie! Das Bachensemble beherrscht als Gruppe die Kunst, die tiefen und komplexen Emotionen in Bachs Werk zu verstehen und zu vermitteln, ohne dass dafür viel darüber geredet werden muss. Dies ist der emotional reifste Chor, den ich bisher in der Schweiz gehört habe. Mein tiefster Respekt gilt Franz dafür, dass er dies ermöglicht.

Auf persönlicher Ebene ist die Gruppe freundlich und offen und schafft eine positive Atmosphäre, die wir hoffentlich auch während unserer Konzerte vermitteln. Und das bringt mich zum letzten kritischen Erfolgsfaktor – dem Publikum. “Wie findet man ein Publikum für 5 Bachensemble-Konzerte pro Jahr?” ist eine Frage, die ich oft bekomme. Ja, wir haben dieses Publikum gefunden und arbeiten sehr hart daran, es zu behalten. Ich glaube, unser Publikum kommt zu unseren Konzerten, bereit, sein Herz für dasjenige zu öffnen, was Bach zu bieten hat. Als Empfänger ist das Publikum Teil dieser nonverbalen Übertragung von Emotionen und es gibt uns viel zurück, was zu Konzerten führt, die immer besser sind als die beste Probe.

Während unseres nächsten Konzerts wünsche ich mir, dass das Publikum die Hoffnung spüren wird, die nach dem Erkennen der Verzweiflung (Aus der Tiefen) entstehen kann. Nein, darüber haben wir im Chor nicht gesprochen, aber ich verspreche Ihnen, dass Sie es mit jedem Atemzug hören können.

Greet Roger

Vom Bariton zum Altus und der fast vergessene Bach-Sohn

Gastbeitrag von Solo-Altus Stefan Wieland:

Ich wurde gebeten für den Blog des Bachensembles aus dem Nähkästchen zu plaudern und wer bin ich schon um mich dessen zu wehren… Also hier nun meine Gedanken zum bevorstehenden Konzert, zu Bach im Allgemeinen und auch zum Bach-Sohn Johann Christian Bach.

Im Dezember des Jahres 2012 fand ich auf der «Avenue de l’Opéra» in Paris einen CD-Laden des Labels Harmonia Mundi. Was für ein Paradies für einen Audiophilen Menschen wie mich. So viele hervorragende Aufnahmen zu sehr guten Preisen. Unter anderem kaufte ich mir die Einspielung des Requiems und des Miserere von Johann Christian Bach. Es waren zwei Werke, die ich bis dato noch nicht kannte. Selbst den Komponisten kannte ich nur dem Namen nach. Als ich wieder zu Hause war hörte ich mir die anderen CDs die ich mir gekauft hatte an und versank in ihnen. Den Bach jedoch vergass ich total. Etwa ein halbes Jahr später fand ich die Aufnahme wieder und legte sie in den Player. Da geschah es: Ich war wie gefangen. Ich war gefangen in einer eigenen Klangwelt, die mir so noch nicht begegnet war. Was für eine Kraft, was für eine Vitalität und das in sakraler Musik. Das kannte ich bisher nur von Bach-Vater und von G.F. Händel. Dieser Bach-Sohn hatte was auf dem Kasten.

Was mir besonders im Gehör hängen blieb war die Alt-Arie des Miserere. So farbig und saftig. Ich hätte mir ja nie träumen lassen, dass ich diese Arie selber einmal singen darf, denn damals studierte ich noch im Tenorfach. Der Wechsel zum Countertenor kam bei mir erst ein halbes Jahr später. Obwohl ich schon zu Beginn meines Studiums mit diesem Stimmfach geliebäugelt hatte, startete ich als Bariton und wechselte nach einem Jahr ins Tenorfach. Jeden Sommer fuhr unsere Gesangsklasse mit unserem Professor Peter Brechbühler für eine Woche nach Frankreich in ein altes Schloss. Wir lernten da in verschiedenen Duos uns mit dem Liedrepertoire auseinanderzusetzen. Und was darf in Frankreich auf keinen Fall fehlen? Natürlich der Wein. Dieser floss auch nach dem Abschlusskonzert in Strömen und veranlasste mich, eine Jodeleinlage zum Besten zu geben. Peter war sehr angetan davon und befand meine Kopfstimme für gut genug um noch eine Stimmlage in die Höhe steigen zu können. Ich wechselte also ins Counterfach. Diesen Wechsel bereue ich bis zum heutigen Tage nicht. An dieser Stelle mal ein Dankeschön an Peter Brechbühler, dass er dieses Vertrauen in mich setzte.

Wer jetzt aber denkt, dass dieser Fachwechsel so einfach vor sich ging, irrt gewaltig. Ich musste mich nämlich damit auseinandersetzen, dass ich nur noch für ein bestimmtes Repertoire angefragt werden würde. Also keine grossen romantischen Partien, sondern Barock und neue Klassik (damals dachte ich tatsächlich noch so). Was mir jedoch die Entscheidung sehr versüsste, waren die vielen wunderschönen Arien in den Bachkantaten und Oratorien. Man denke da nur an das wunderbare «Schliesse mein Herze» aus dem Weihnachtsoratorium oder «Es ist vollbracht» aus der Johannespassion. Das ist Musik die einem einfach in die Seele geht. Dafür tauschte ich gerne jede Tenorrolle in den Mozartopern ein. Ausserdem sagte ich mir: «Wer bitteschön kann mir verbieten nicht weiter Schumann, Strauss und Brahms zu singen?» Also war es beschlossene Sache. Ich wechselte zum höchsten Fach der Männerstimmen.

Inzwischen durfte ich schon mit vielen erfahrenen Ensembles auf der Konzertbühne stehen. Ein besonderes Highlight war sicherlich das Solistenkonzert mit dem Luzerner Sinfonieorchester im KKL letzten Sommer. Ein Ensemble jedoch war mir noch verwehrt geblieben. Ein Ensemble, dessen Konzerte ich fleissig mitverfolgte und bei dem ich nur zu gerne einmal selber als Solist auftreten wollte. Ich rede natürlich vom Bach Ensemble unter der Leitung von Franz Schaffner. Es war eine grosse Freude, als mich ein Mail mit der Anfrage für das Konzert mit jungen Solisten erreichte. Endlich mit diesen tollen Musikern auf der Bühne zu stehen. Was mich jedoch verwirrte, war die Repertoireauswahl. Eine Kantate von Bach, ohne Alt-Solo. Hmmm… Das andere Werk: Miserere von Johann Christian Bach. Kenne ich nicht. Ich ging also ins Internet und suchte danach. Eine Aufnahme auf Youtube brachte dann aber Erleuchtung: ich kannte es doch! Ich erinnerte mich wieder an die Aufnahme aus Paris. Ich kramte sie hervor und hörte mir das ganze Werk wieder an. Und da war sie wieder: Die wunderschöne Alt-Arie am Schluss! Wunderbar! Ich freute mich riesig. Auch wenn sie gar nicht so einfach zu singen ist. Ja… Wirklich nicht… Das erinnert mich daran, dass ich wieder üben gehen sollte. Schliesslich wollen sie, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer ja eine tolle Aufführung erleben können. Also viel Vergnügen mit dem Konzert der jungen Solisten. Ich freue mich! Danke!

Stefan Wieland

Johann Sebastian Bach – Carl Philipp Emanuel Bach – Johann Christian Bach

Es ist wieder Juni-Konzert: wir freuen uns auf die jungen Solistinnen und Solisten der HSLU – Musik! Junge talentierte Stimmen stellen sich vor und sind herzlich willkommen bei uns.

Nach dem fulminanten Start im März mit dem A-Dur Cellokonzert von Carl Stamitz und Jürg Eichenberger als Solisten geht die Reihe weiter mit dem Konzert für Violoncello und Streichern von Carl Philipp Emanuel Bach. Auf die zupackende Deutung durch Jürg Eichenberger ist jetzt schon Vorfreude angesagt. Das Werk ist insofern eine Rarität, dass es dieses auch noch in zwei weiteren Fassungen gibt, nämlich eine für Flöte und eine für Cembalo. Recycling in Reinkultur.

Die Kantate BWV 131 «Aus der Tiefen rufe ich», ist eine der frühesten des 22-jährigen Johann Sebastian Bach. Eigentlich besteht das Werk aus einem einzigen Satz, der dauert allerdings 25 Minuten. Verschiedene Formen sind unbekümmert aneinandergereiht. Es gibt keine Rezitative, und ariose Abschnitte werden immer mit einer Choralmelodie begleitet.

Ebenfalls 22-jährig war der jüngste Bach-Sohn Johann Christian, als er in Mailand die Vertonung des 51. Psalms (Miserere) veröffentlichte. Zusammen mit dem Requiem – im letzten Konzert bei uns erklungen – brachten dem jungen Komponisten nicht nur Publikumserfolge, sondern auch Opernaufträge ein. Die Ernsthaftigkeit des Psalmtextes liesse entsprechende Musik erwarten. Nichts davon: wie im Requiem versprüht diese 9-sätzige Musik aufbauende, zuversichtliche Stimmung. Die geistlichen Werke dieser Zeit um 1757 begeisterte das Mailänder Publikum, und hoffentlich auch jedes in der Franziskanerkirche am 10. Juni.

Franz Schaffner

Konzert im Juni 2018

Sonntag, 10. Juni 2018, 17.00 Uhr, Franziskanerkirche Luzern

Wie jedes Jahr steht unser Juni-Konzert unter dem Motto “Wir fördern junge Solisten”. Wir freuen uns sehr darauf, mit diesen vielversprechenden Talenten zu musizieren.

Johann Sebastian Bach:
Aus der Tiefen ruf ich BWV 131

Carl Philipp Emanuel Bach:
Konzert für Violoncello und Orchester A-Dur Wq.172

Johann Christian Bach:
Miserere B-Dur T 207/5

Chor und Orchester des Bach Ensemble Luzern

Franz Schaffner, Leitung

Gabriela Glaus, Sopran
Stefan Wieland, Altus
Joël Morand, Tenor
Balduin Schneeberger, Bass

Weitere Infos und Tickets: http://bachensembleluzern.ch

Johann Sebastian Bach – Carl Stamitz – Johann Christian Bach

Nachdem „Grosses von Bach“, das Jahresthema 2017, verklungen ist, bleiben davon viele wunderbare Erinnerungen.

Nun schreitet die Zeit weiter, und wir mit ihr. Auch dieses Jahr ist prachtvolle Musik auf dem Plan. Gerne erinnere ich an das Requiem und Miserere von Johann Christian Bach, beides Werke, die wir 2013 quasi neu aufgeführt haben. Das Kloster Einsiedeln mit Pater Lukas Helg hat uns die Handschriften zur Verfügung gestellt, und wir liessen diese dann aufführungspraktisch herstellen. Nicht allein diese Investition, sondern die Musik selbst ist es wert, diese nach fünf Jahren wieder aus dem Archiv zu holen. Zu schade, diese liebenswürdigen Werke im Keller zu lagern.

Diesmal verteilen wir die Werke auf mehrere Konzerte und ergänzen noch durch weitere kürzere Kompositionen des jüngsten Bach-Sohnes.

Wie die letzten Jahre fahre wir jeweils auf drei Schienen gleichzeitig: Wir haben Chorwerke von Bach-Söhnen auf dem Programm. Und wir musizieren mit dem „Jahressolisten“ Jürg Eichenberger aus dem Riesenfundus von Cellokonzerten einige Perlen aus der Früh- und Hochklassik. Und es gibt immer auch eine Bach-Kantate in den Programmen, von denen die meisten Neueinstudierungen sind. So auch die zur Fastenzeit passende Kantate „Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe“. Ihr Inhalt ist barock-typisch: Das menschliche Dasein wird mit einem Hospital verglichen. dessen Erlösung nur der Arzt Jesus bewirken kann. Kunstvolle, meditative und in der Besetzung einzigartige (z. B. drei Flöten) Musik begegnet uns hier.

Daran schliesst tröstliche Musik an mit dem Cellokonzert A-Dur von Carl Stamitz: liebliche Unbeschwertheit, gepaart mit lustvoller Virtuosität kommt einlullend daher. Nicht minder das anschliessende Requiem, dessen Sprache nichts hält von Bedrohlichkeit, sondern die Musik spricht meist in eher sanften Tönen und wirkt gewinnend. Aber nicht ohne Üppigkeit im Klang durch die doppelchörige Anlage.

Franz Schaffner

Wenn Werke gelebt statt dirigiert werden

Gastbeitrag des Tenors Reto Hofstetter:

Es ist für mich eine grosse Freude das Konzertjahr 2018 eröffnen zu dürfen. Seit vielen Jahren darf ich jetzt schon  mit und unter dem Dirigat von Franz Schaffner  bei den Bachkonzerten mitwirken. Wobei der Ausdruck „unter dem Dirigat“ gerade bei Franz Schaffner völlig verfehlt ist.  Zwar würde niemand aus dem Chor, dem Orchester oder von den Solistinnen und Solisten  auch nur einen Moment an seiner Kompetenz und seinem Wissen zweifeln oder seine Anweisungen in Frage stellen wollen. Trotzdem scheint es ihm ein Anliegen zu sein, niemals belehrend oder unterweisend sein zu wollen. Er dirigiert die Werke nicht, sondern er lebt sie.  Er lässt dadurch die Mitwirkenden die Musik erleben  und  die Zuhörer an seiner Passion teilhaben.

Er ist sozusagen der primus inter pares. Er wagt es sogar im Ganzen zu verschwinden, um dem einen Platz zu machen, das ihm wichtig ist: der Musik von Johann Sebastian Bach. Für Franz spielt es auch keine Rolle, ob es die intimen Bach Schemelli Lieder für Orgel und Stimme sind (meine erste Begegnung mit Franz) oder die grossen Werke wie eine Johannespassion, die gerade aufgeführt werden. Für ihn sind es alles Meisterwerke.

Als Sänger ist es eine besondere Freude mit Franz zu musizieren, da er beim Dirigieren oder an der Orgel immer versucht, den Sänger zu unterstützen.  Er hört zu, führt, lässt geschehen und geniesst die Musik eines der grössten Komponisten, die je gelebt haben.

Allerdings wird sich der Zuhörer sicher genauso  für das Requiem von Johann Christian Bach begeistern können.  Das Requiem hat es wirklich  verdient, dass man es quasi wieder ausgegraben hat.  Die Lieblichkeit dieser Musik  geht direkt ins Herz. Auch wenn die Komposition möglicherweise für ein Requiem etwas zu wenig in die emotionale Tiefe des Textes geht, wie wir es aus dem späteren Requiem von W.A. Mozart kennen.  J.C. Bach und der junge W.A. Mozart haben sich offenbar gekannt und sogar zusammen musiziert. Leopold Mozart hat die Kompositionen von J.C. Bach sehr geschätzt und seinem Sohn Wolfgang Amadeus  zum Studium empfohlen.

Reto Hofstetter

Jedes Konzert ist ein Erlebnis

Gastbeitrag von Violinistin Elisabeth Zwicky:
Zum Ensemble kam ich, als ich für jemand in die Bresche gesprungen bin.

Nach langjährigem Mitwirken in einem Sinfonieorchester schätze ich den Zugang zu den Werken von Johann Sebastian Bach ganz besonders. Ich geniesse das aufeinander Hören und Spüren in der kleinen Besetzung. Die Kollegialität untereinander ist sehr befruchtend.
Unter der Leitung von Franz Schaffner erhalten wir wertvolle Anregungen und Wissenswertes über Bachs Werke. Seine genaue und inspirierende Führung unseres Ensembles und die Bereitschaft aller Musikerinnen und Musiker, ihm zu folgen, lässt unsere Konzerte immer wieder zu einem einzigartigen Erlebnis werden. Dies mit sehr wenig Proben zu erreichen, ist das Verdienst unseres Dirigenten, der es versteht, ohne Druck die Begeisterung aller Mitwirkenden zu entfachen. Die Leistung der Sängerinnen und Sänger ist bewundernswert, eignen sie sich – neben ihrem Arbeitsalltag – ihre Parts doch schon vor den Proben mit grossem Elan im Eigenstudium an.
Werke der Söhne Bachs, von Händel, Vivaldi, Stamitz und Haydn erweitern das Repertoire auf spannende Weise.
In unserem nächsten Konzert am 11. März 2018, 17.00 Uhr, bringen wir die Missa da Requiem von Christian Bach, ein frühes Werk, das gut den Uebergang vom Barock zur Vorklassik zeigt, zur Aufführung. Darauf freue ich mich und besonders auch auf das Cellokonzert von Carl Stamitz mit unserem ausgezeichneten Cellisten des Bachensembles, Jürg Eichenberger als Solist.
Jedes Konzert wird zu einem Erlebnis und dafür bin ich sehr dankbar.
Elisabeth Zwicky

Weihnachtsoratorium – mein persönliches Schlussbouquet

Ein Gastbeitrag von Chorsängerin Irene Bucheli-Zemp

Singen bedeutet für mich Lebenselixier. Im Bachensemble zu singen erfüllt mich mit grosser Freude und Zufriedenheit. Ganz besonders dieses Jahr mit den grossen Werken von J.S. Bach war für mich wie ein Geschenk zum Abschluss meines intensiven Chorlebens, denn Bach singe ich am liebsten.

Proben auf so hohem Niveau macht einfach Spass, denn alle haben langjährige Erfahrung, kennen das Werk schon ziemlich gut, sodass eher selten Töne „geochst“ werden müssen, sondern gleich von der ersten Probe an gestaltet, musikalisch gefeilt und einfach musiziert wird. Das gefällt mir. Ich erarbeite das Werk lieber allein zuhause am Klavier und geniesse dann die Probenarbeit, die von Franz ganzheitlich didaktisch gut gestaltet und professionell geleitet wird.

Natürlich sind mir auch andere Komponisten lieb, besonders Händel, Brahms, Mozart, Mendeslsohn, Schubert und Rheinberger.

Aber Johann Sebastian Bach war bereits zur Schulzeit mein Lieblings-Komponist.

Das Weihnachtsoratorium lernte ich auch schon als Kind kennen. Meine Klavierlehrerin wohnte im obersten Stock unseres Hauses und hatte einen Plattenspieler. Am Wochenende wenn sie nicht da war, durfte ich allein für mich dieses beeindruckende Werk hören und war einfach nur glücklich dabei.

Im neunten Schuljahr hielt ich einen Vortrag über J.S. Bach, was mich diesem wunderbaren Komponisten noch näher brachte. Und mit meinem Sackgeld kaufte ich auf dem Flohmarkt in Lugano die allererste kleine Platte: aus der Matthäuspassion „Mache dich mein Herze rein.“ Weil ich nur diese einzige Platte besass, hörte ich sie halt immer und immer wieder, was nun zur Folge hat, dass ich bei dieser Musik heute noch erinnert werde an Lugano und an das Buch, das ich damals las, während ich diese Arie hörte.

Manche Frauen wechseln in späteren Jahren vom Sopran in den Alt. Bei mir war es umgekehrt. Im Kinderchor musste ich 2. oder 3. Stimme also sehr tief singen. Das tiefe Singen wurde mir zur Gewohnheit und ich bekam immer mehr Angst vor den hohen Tönen. Aber ich merkte dann irgendwann, dass dies nicht wirklich meine Stimme ist. Ich konnte nicht laut singen, höchstens auf Kosten der Qualität. Ich wurde schnell heiser, weil ich nicht gelernt hatte, wo man die Kraft herholen kann ohne Druck in der Kehle.

Erst als ich meine Ausbildung zur Stimmtherapeutin (AAP, FE, NFR) machte, entdeckte ich die für mich damals neue Welt der Körperarbeit.

Ich nahm fortan regelmässig Gesangstunden, was eine stetige Stimmentwicklung mit mehr Resonanz und Leichtigkeit in der Höhe zur Folge hatte. Dadurch fühlte ich mich in der Lage, beim Bachensemble im ersten Sopran mitzusingen. Was für ein Geschenk für mich!

Das Singen auf hohem Niveau ist für mich stets auch berufliche Weiterbildung. Ich brauche für meine Stimmkurse eine starke Sprech- und Singstimme. Durch meine Kurstätigkeit als AAP-Stimmtrainerin und FE-Körpertherapeutin erlebe ich viele Menschen, die Angst haben, ihre Stimme zu zeigen. Sie haben erlebt, in der Schule beim Singen nicht zu genügen oder ihre Sprechstimme wurde bemängelt aufgrund einer schlechten Atemtechnik. Einigen hat es sogar buchstäblich die Stimme verschlagen, wenn die psychische Belastung am Arbeitsplatz oder in der Familie zu gross wurde. (Burnout) In diesem Rahmen erleben zu dürfen, wie Menschen wieder Mut bekommen und sich getrauen, für sich selber einzustehen, mit ihrer eigenen Stimme sich zu zeigen, das bedeutet für mich etwas Kostbares und Grossartiges. Stimme ist eben mehr als Sprechen und Singen.

Was passiert konkret körperlich, wenn man singt?

Das Belohnungssystem im Gehirn springt an, wie beim Lachen oder Verliebt-sein, das haben Hirnforscher herausgefunden – und es ist dem Gehirn nicht möglich, beide Zentren, jenes für Belohnung und das Angstzentrum, gleichzeitig zu aktivieren. Die Bereiche schliessen einander aus. Sobald also das Belohnungssystem angeht wie z. B. beim Singen, nicht sofort, aber nach einer Weile-, empfindet man keine Angst mehr.

In vielen Chören habe ich gesungen und viele Dirigenten erlebt. Was ich bei Franz Schaffner besonders schätze ist seine bescheidene und zutiefst menschliche Art der Kommunikation beim Proben. Korrekturen werden von ihm aufbauend, bestärkend, wohlwollend und taktvoll angebracht, nie verletzend.

Er versteht es ganz besonders, unsere Leistung bei der Aufführung noch massiv zu steigern, sodass wir über uns hinauswachsen können, weil wir angesteckt werden von seiner Begeisterung. Ich danke dir, Franz!

Dass ich nun das Bachensemble als aktive Sängerin nach 10 Jahren loslasse fällt mir nicht so leicht, aber ich spüre, dass es der richtige Zeitpunkt ist, gerade jetzt mit dem Weihnachtsoratorium.

Ich möchte jüngeren Stimmen Platz machen und bin bestimmt als begeisterte und neugierige Zuhörerin fortan gerne im Konzertraum anwesend.

Singen werde ich auch noch weiterhin, insbesondere mit meinen  Enkelkindern, mit meiner Nachbarin, die mich am Klavier begleitet, in den Duett-weekends und hie und da bei einem kleineren Chorprojekt. Ich lasse es auf mich zukommen.

Vorerst aber freue ich mich noch auf ein paar intensive Proben und dann auf ein unvergessliches Abschlusskonzert mit dem Weihnachtsoratorium von J.S.Bach im KKL.

Irene Bucheli-Zemp