Alle Beiträge von Bach Ensemble Luzern

Eichner begrüsst den Frühling

Gastbeitrag von Harfenistin Franziska Brunner

Welche Freude, dass der zu erwartende Frühling mit dem dreisätzigen Harfenkonzert von Ernst Eichner begrüsst werden kann!

Mit dem Harfenkonzert von wem? Ja, auch Harfenliebhabern ist der Name von Ernst Eichner (1740 – 1777) oft nicht ganz geläufig, denn seine Werke wurden erst vor noch nicht allzu langer Zeit rekonstruiert, bzw. die zum Teil skizzierten Varianten zusammengeführt.

Darum lade ich Sie ein, sich als Gedankenstütze erst einmal – wortverwandt – eine grosse schöne Eiche im Frühling vorzustellen und deren frischen, kräftigen Anblick zu geniessen. Beim näheren Betrachten beginnen die Blätter zu rascheln, der Wind saust mächtig crescendierend durch die Blätter, im prächtigen Geäst nisten sich unzählige Vögelchen und Insekten ein. Vergnügte Menschen finden sich in dieser Nähe ein und lachen, singen, seufzen, tanzen. Die Szenerie wird von lieblichstem Sonnenlicht und Wärme beschienen und fesselt die Sinne.

Das Harfenkonzert in C-Dur von Ernst Eichner kann man gut mit obenstehenden Attributen beschreiben. Als Beispiel der Mannheimer Schule sucht die Komposition die Leichtigkeit und Klarheit der Vorklassik, welche als «Hinhörmusik» zweckfrei ganz sich selbst genügt. Der erste Satz mit seinen so vielen Motiven, der liedhafte zweite Andante-Satz und das Menuett zum Schluss, das alles reiht sich ein zwischen der Wurzel der stabilen Harmonie und der arpeggio-artigen Baumkrone.

Das Werk wurde geschrieben, als vor allem am französischen Hof auch Frauen begannen, Harfe zu spielen. Für die Harfe war diese Mode ein bedeutender Schritt in die Welt der Kunst als eigenständiges Musikinstrument. Ich frage mich, ob Mozart das C-Dur-Konzert von Ernst Eichner kannte, als er sein Konzert für Flöte und Harfe im Jahr 1778 in Paris für Damen des Hofes komponierte. Hat doch auch Ernst Eichner zeitweise in Paris gelebt. Den Vergleich können Sie gerne angehen, wenn das Mozart-Konzert im Dezember im KKL mit dem Bach-Ensemble aufgeführt wird.

Das Harfenjahr des Bach-Ensembles beginnt nun in der Franziskanerkirche. Das Konzert in diesem Raum bedeutet mir unendlich viel, durfte ich mit Franz Schaffner an der Orgel doch diese Kirche zu Weihnachten schon oft in ihrer mystischen Dunkelheit mit Klängen füllen. Nun ist das Jahr schon lichterfüllt und ich hoffe, dass die Musik die ersehnte Wärme zu verbreiten vermag.

Die so grosszügige Geste von Seiten des Bach-Ensembles, während dem ganzen Jahr der Harfe so viel Raum zu geben, ist einmalig und von grosser Austrahlung und ich möchte mich dafür von Herzen – cordialement – bedanken!

“Nicht Bach, sondern Meer sollte er heißen!”

Gastbeitrag von Bariton Wolf Latzel

“Nicht Bach, sondern Meer sollte er heißen!” So schrieb einst der große Beethoven mit höchster Bewunderung über Johann Sebastian Bach.

Welch unerschöpflicher Reichtum steckt in dieser Musik, welche Tiefe und Intensität in den kirchlichen und weltlichen Kompositionen. Seine Musik fließt stets, ist nie unbeweglich. Sie breitet sich unendlich aus, ist in ihren Dimensionen unerforschlich wie das Meer.

In Ostdeutschland in der Nähe von Leipzig geboren und aufgewachsen habe ich natürlich eine besondere Verbindung mit dem bachsche Œuvre. Jeder Musiker, der hier aufwächst, saugt seinen Geist sozusagen bereits mit der Muttermilch auf.
Hier war Bach 27 Jahre lang Kantor der Thomaskirche, und hier schuf er einige seiner größten Meisterwerke. Diese Präsenz ist auch heute noch immer deutlich spürbar.

Schon während meines Studiums hatte ich das Vergnügen, sonntagmorgens in den Gottesdiensten seine Kantaten mitgestalten zu dürfen.

Diese enge Verbindung ist bis heute geblieben, und so ist Bach ein fester Bestandteil meines Repertoires. Auch wenn ich natürlich viele andere Komponisten sehr schätze, zu Bach kehre ich immer wieder voller Freude zurück. Um bei dem Bild vom Anfang zu bleiben: Es ist, als würde man in ein Meer schauen: Es ist so klar, dass man meint, bis auf den Grund sehen zu können. Doch es wird immer tiefer und tiefer, je mehr man sich damit beschäftigt.
Bach ist ein Wunder, seit 269 Jahren tot, ist er heute so lebendig wie nie.

Beim Luzerner Bachensemble wird sein Schaffen seit Jahrzehnten auf ganz besondere Weise gepflegt. Und es ist mir immer wieder eine große Freude, mit diesen hochmusikalischen und leidenschaftlichen Sängerinnen und Sängern sowie dem feinfühligen Orchester gemeinsam musizieren zu dürfen.
Mit Franz Schaffner entstehen dabei, scheinbar wie von selber, ganz wundervolle künstlerische Momente. Völlig unaufgeregt stellt er sich dabei in den Dienst der Kunst und erspürt die Essenz der Werke. So gedeiht Großartiges.

Bach unterschrieb viele seiner Briefe mit den Worten: „ganz gehorsamst-ergebenster Diener“.
Seien wir heute ihm ergeben und bringen seine Musik voller Dankbarkeit und Freude zum Klingen.

Telemann – Harfe – Bach

Die Programme 2019 sind reichhaltig und haben je vier Pfeiler:

Kantaten von Bach und Telemann sind die ersten zwei. Sie tragen meist denselben Titel, sicher aber haben sie gleiche Inhalte. So heisst es im 1. Konzert «Wo soll ich fliehen hin» bei Bach wie bei Telemann, Dazu ist eine Bemerkung wichtig: Hier geht es nicht um Vergleiche, sondern: Wie verschieden gehen zwei barocke Komponisten mit demselben Stoff um?

Harfenkonzerte als dritten Pfeiler begleiten uns durch alle Konzerte mit der vollen Besetzung. Im ersten Konzert erklingt eine unbeschwerte Musik. Komponist und Werk sind kaum bekannt. Ernst Eichner ist ebenso Zeitgenosse Bachs und Telemanns.

Die Wahl der Solistinnen aller Harfenkonzerte bestimmte der Umstand, dass sie alle in unserer Region tätig sind. Franziska Brunner eröffnet den Reigen.

Kommt jetzt noch ein vierter Pfeiler hinzu: Eine Missa brevis von Georg Philipp Telemann. Nach Lutheranischer Gottesdienstordnung bestehen diese «Kurzmessen» aus Kyrie und Gloria. Bei Telemann sind die Singstimmen ausschliesslich dem Chor anvertraut. Eine willkommene Aufgabe also für unseren leistungsfähigen Chor. Es gibt 11 Messen dieser Art von Telemann, und diese Werkgattung ist ein kaum beachteter in Telemanns grossem Fundus. Ein Grund mehr, solche unbekannte Werke in unsere Programm aufzunehmen.

Franz Schaffner

 

Frühjahres Konzert 2019

Sonntag, 24. März 2019, 17.00 Uhr, Franziskanerkirche Luzern

  • Georg Philipp Telemann, Kantate TVWV 1:1724 Wo soll ich fliehen hin
  • Missa brevis TVWV 9:3 Christ lag in Todesbanden
  • Ernst Eichner, Harfenkonzert C-Dur op. 6, Nr. 1
  • Johann Sebastian Bach, Kantate BWV 5 Wo soll ich fliehen hin

Chor und Orchester des Bach Ensemble Luzern

Franz Schaffner, Leitung

Timothy Löw, Tenor
Wolf Latzel, Bass
Franziska Brunner, Harfe

Weitere Infos und Tickets: http://bachensembleluzern.ch

Vom Wunder Musik zu teilen

Gastbeitrag der Bratschistin Tiina Huttunen:

Während dem Studium am damaligen Konservatorium Luzern durfte ich das erste Mal im Bach Ensemble musizieren. Seither gab es ab und zu wieder Gelegenheit einzuspringen bis ich nun seit zwei Jahren regelmässig mitspiele.

Bevor ich mich ans Schreiben für diesen Blog setzte, schaute ich in den bisherigen Beiträgen rein und begann zu lesen. „So schön geschrieben – ach ja, so empfinde ich es auch – das stimmt genau…“, dachte ich. Was kann man dazu noch sagen? Dann wurde mir klar: Ich fühle mich in diesem Ensemble sehr wohl!

Wenn ich jeweils für die nächsten Konzerte zu üben beginne und das erste Mal die Noten aufmache, sieht die Bratschenstimme manchmal eintönig aus. Endlose Achtelbewegungen, viel gleiche Noten… Dann kommen die Streicher zusammen, Bläser dazu, der Chor, Solisten und Solistinnen. Die Puzzleteile fügen sich ein und alles bekommt einen Sinn. Dort wo die Teile sich nicht finden wollen, hilft Franz uns mit seiner feinfühligen Art, Musikalität und geschickt ausgewählten Worte sie zusammen zu setzten.

Am schönsten ist es, wenn es mir gelingt voll in die Musik einzutauchen, mitzuschwingen und zu atmen. Dann vergesse ich die einzelnen Achtelnoten und gehöre zum Ganzen. Besonderes die Musik Bachs gibt mir das Gefühl vom getragen werden.

Letztendlich im Konzert bringt das Publikum auch noch seinen Teil dazu und die Stimmung füllt die Herzen, wenn man es zulässt. Wunderbar ist, wie das gleiche Musikstück von allen Zuhörern geteilt werden kann, egal ob zwei Menschen zuhören oder das ganze KKL. Wenn das auch so mit einem Stück Schokoladenkuchen wäre?

Ich merke, dass die Weihnachtsstimmung zu funkeln beginnt und freue mich riesig auf das letzte Konzert in diesem Jahr mit dem Bach Ensemble.

Tiina Huttunen

 

 

 

Musik verzaubert die Weihnachtszeit

Gastbeitrag der Sopranistin Maria C. Schmid

Jedes Jahr bin ich fasziniert, was die Weihnachtszeit mit uns Menschen macht. Musik ist plötzlich in Geschäften, bei Strassenmusikanten und auf dem Konzertparkett in ähnlicher Art präsent. Es findet sich Platz für Geschichten und Bilder von Engeln, ursprünglichen, religiösen Ritualen. Wünsche und Taten, die über das Privatinteresse hinausgehen bekommen Raum und werden umgesetzt. Es ist eine Zeit, die viele Chancen in sich trägt, die durchaus ihren Schweif auch ins neue Jahr tragen lassen dürfte.

Sie kommen noch immer durch den aufgebrochenen Himmel, die friedlichen Schwingen ausgebreitet, und ihre himmlische Musik schwebt über der ganzen müden Welt…William Shakespeare

Viele Menschen erlauben sich in diesen Tagen Gedanken zu machen, was die Essenz des Lebens sein könnte.

Als Musikerin fallen Weihnachtskonzerte oft aus dem normalen Rahmen innerhalb des Konzertlebens. Dies hat verschiedene Gründe. Zum einen wiederholen sich Programme, zum andern erlebe ich ein anderes Publikum. Ich spüre die besondere Atmosphäre, wenn im Publikum mehr Menschen sitzen, die sich ausschliesslich in dieser Zeit klassischer Musik annähern. Es schenkt spezielle Freude zu merken, wie sich Menschen sehr bewusst ein solches Konzert leisten, um dem Vorweihnachtsstress zu entfliehen, eine Zäsur im Alltäglichen einzuschalten und sich für einmal mit Kultur ablenkenwollen  – Kultur, die es durch ihre Ablenkung schafftzuzulenken,hinzu Ruhe und Achtsamkeit.

Ich freue mich sehr, dass mir im diesjährigen Weihnachtskonzert des Bach Ensembles Luzern die Partie der Sopransolistin anvertraut ist. Das Programm war mir schon Seelenwärmer, bevor ich mich mit den Tönen vertraut gemacht habe.

Wenn keine Musik mehr da wäre, wenn ich nur ein einziges Musikstück mit mir im Kopf tragen dürfte….so würde ich ein Stück von Bach auswählen. Wahrscheinlich wäre es eine seiner Suiten für Cello – Solo….Bachs Musik schenkt mir Geborgenheit, Verlässlichkeit, zaubert ein Stück Ewigkeit in zeitliche Begrenzung, verleidet mir nie. Vater Bach hat einen besonderen Klangfaden gesponnen und von seiner Fähigkeit seinen Söhnen weitergegeben. So schätze ich mich glücklich ein Wunderwerk seines Sohnes Carl Philipp Emanuels mit interpretieren zu können.

Dazu ein Cellokonzert von Joseph Haydn – wie schön! Es erinnert mich so sehr an Festtage bei uns zuhause. Als Kind gehörte es zu unserem Familiensonntag, dass meine Eltern eine klassische Schallplatte auflegten. J. Haydns Cellokonzert in C-dur, Hob VIIb:1 wurde oft gespielt…bestimmt auch einmal zu Weihnachten. Die Klänge sind mir so vertraut und wecken entsprechend schöne Gefühle, Düfte, kostbare Erinnerungen. Haydns Violinkonzert in G-Dur, Hob. VIIa wurde mir als Teenagerin zum erstrebenswerten Stück, das ich auf der Geige spielen können wollte. Wenn ich heute nur noch zu Weihnachten in der Familie meine Geige hervornehme, so spiele ich immer zuerst den Anfang dieses Konzertes. Dieses hat sich mir einfach eingebrannt. Ein paar Takte gehen immer….Haydns Musik liebe ich auch als Sopranistin sehr …dachte ich mir doch im Studium, wenn ich niemals Haydns Schöpfung singen könnte, so hätte ich mein Sängerinnenleben verwirkt….Glücklicherweise zählt dieses Werk zu jenen, die ich am meisten gesungen habe.

Ich wünsche mir für dieses Konzert, dass wir Musizierende zusammen mit dem Publikum eine Sternstunde erleben können, die uns mutig macht, den guten Schweif von Weihnachten weiter zu tragen. Alles Störende könnten wir ja „kompostieren“, damit etwas Schönes daraus erwachse.

Lass den Himmel sich auf der Erde widerspiegeln, auf dass die Erde zum Himmel werden möge. Dschelai ed-Din Rumi

Maria C. Schmid

 

 

Bachs Musik als musikalischer Hafen

Gastbeitrag der Sopranistin Kathrin Hottiger

Bei meinem ersten Auftritt als Solistin mit dem Bachensemble Luzern hatte ich gerade mein erstes Semester meines Masters Performance an der Hochschule Luzern hinter mich gebracht. Dass Franz mich damals, Küken dass ich war, auf der grossen Bühne des KKL singen liess, war unbeschreiblich und wird wohl immer eine ganz besondere Erinnerung bleiben für mich. Seit dem Weihnachtskonzert 2015 sind fast drei Jahre vergangen, ich habe meine Ausbildung abgeschlossen und bin nun seit etwas mehr als einem Jahr als freiberufliche Sängerin im In- und Ausland tätig. Dass ich nun wieder als Solistin mit diesem wunderbaren Ensemble, Dirigenten und Orchester musizieren darf, ehrt und freut mich sehr! Sogar ein bekanntes Gesicht findet sich unter den anderen Solisten: mit Simon Witzig durfte ich damals ein Duett singen!

Die Musik von Johann Sebastian Bach hat für mich eine ganz besondere Bedeutung und wird für mich je länger je mehr zu einer Art musikalischem Hafen. An dieser Liebe zu Johann Sebastian Bach trägt Franz Schaffner keinen unwesentlichen Anteil. Wiederholt durfte ich während des Studiums von seinem grossen Wissen profitieren und habe immer wieder gestaunt, mit welcher Offenheit und Selbstverständlichkeit er uns ermutigt hat, eine eigenständige Interpretation zu suchen. Wieder unter ihm als Dirigenten singen zu dürfen ist deshalb eine ganz besondere Freude!

Im Laufe meiner noch jungen Karriere durfte ich bereits zahlreiche von Johann Sebastian Bachs phantastischen Kompositionen kennenlernen und interpretieren. Immer wieder werde ich von der zwar äusserst komplexen, aber für mich doch sehr unmittelbaren Musik tief im Inneren berührt und inspiriert. Oft spüre ich eine grosse Tröstlichkeit beim Hören und Singen von Bachs Musik, die aber niemals oberflächlich ist, sondern bei der alle Höhen und Tiefen des Glaubens und des Lebens mitschwingen. Die Kantate BWV 37 «Wer da gläubet und getauft wird» ist davon keine Ausnahme.

Besonders freue ich mich dabei natürlich auf den Choral «Wie schön leuchtet der Morgenstern» im Duett mit dem Alt und mit Solocello. Diesen kammermusikalischen Ansatz beim Interpretieren von Bachs Musik empfinde ich als ganz besonders reizvoll. Meine Stimme mit der des anderen Solisten und des Soloinstruments verschmelzen zu lassen, mich vom Instrumentalklang und der Phrasierung der Instrumentalisten inspirieren zu lassen, ist für mich etwas vom Schönsten und Lehrreichsten überhaupt.

Nun wünsche ich Ihnen ein beseeltes und erhebendes Konzerterlebnis, und freue mich sehr auf diese wunderbare Musik!

Kathrin Hottiger

 

September-Konzert: Johann Christian Bach – Johann Sebastian Bach – Joseph Haydn

Nach dem Requiem und dem Miserere, die im März und Juni erklangen, folgen nun noch zwei Einzelsätze mit «Kyrie» und «Credo breve», beides ebensolche Perlen geistlicher Musik des jüngsten Bach-Sohnes, allesamt in Mailand zwischen 1754 und 1762 entstanden.

Alles Notenmaterial aus dieser Mailänder Zeit stammt aus dem Kloster Einsiedeln. Zwischen Mailand und Einsiedeln herrschte im 18. Jahrhundert ein reger kultureller Austausch. Zwischen diesen Orten liegt Bellinzona, damals ebenfalls mit einem Benediktinerkloster, welches unter Einsiedelns Obhut stand. Nach dessen Auflösung gelangten viele Güter nach Einsiedeln, so auch die meisten Musikalien. Damit verdanken wir dem Kloster Einsiedeln das Material, aus dem wir diese wertvolle Musik spielen und singen dürfen.

Und natürlich geht die musikalische Reise weiter mit einer Bach-Kantate. Es ist «Wer da gläubet und getauft wird» zu Himmelfahrt. Trotz Festtag ist die knappe Besetzung hier auffallend, dies aber ohne an Farbenvielfalt einzubüssen. Das Werk erlangte schnell grosse Beliebtheit und Verbreitung – es ist halt einfach eine schöne und frohe Kantate.

Nach den ersten beiden Cellokonzerten von Stamitz und Carl Philipp Emanuel Bach geht es zu den beiden Konzerten von Joseph Haydn, jetzt jenes in D-Dur, dann im KKL das «grosse» in C-Dur. Die Freude, mit unserem Solisten Jürg Eichenberger diese Werke zu musizieren, beflügelt alle Beteiligten. Hier ist Energie pur !

Franz Schaffner

 

Die Schönheit des Nonverbalen

Gastbeitrag von Chorsängerin Greet Roger:

Seit 7 Jahren wohnen mein Mann und ich in der Schweiz und seit 3 Jahren bin ich ein stolzes Mitglied des Chores des Bachensemble Luzern. Meine ehemaligen Chorkollegen in Belgien werden sehr eifersüchtig, wenn ich ihnen sage, dass wir pro Jahr 4 Konzerte mit dem Chor geben, zusammen mit einem ausgezeichneten Orchester und hervorragenden Solisten.

“Aber wie um Himmels Willen machen sie das?” fragen sie, weil sie wissen, wieviel Aufwand und Energie das bedeutet für alle Beteiligten. Und dann erzähle ich natürlich von Franz, von seiner Entourage und von der straffen Organisation jeder Probe und jedes Konzerts. Es ist alles Schweizer Qualität!

Und weiter rede ich dann über das technische Niveau der Gruppe. Meine belgischen Chorkollegen kennen die extreme technische Schwierigkeit, Bach zu singen. Ich versuche ihnen zu erklären, dass es beim Bachensemble eine so große Erfahrung in der Gruppe gibt, dass man sich sozusagen in den Strom treiben lassen kann und “automatisch” mit der richtigen Technik im richtigen Stil mitsingen kann. Bei dieser Gruppe sind nur sehr wenige Wörter nötig, um zu erklären, wie man richtig singt und die Leichtigkeit, mit der der Chor Bach atmet, ist definitiv ein Faktor für seinen Erfolg.

Auf der anderen Seite ist es etwas schwieriger, die künstlerische Qualität der Gruppe als Erfolgsfaktor zu erklären, denn hier betreten wir noch mehr den Bereich des Nonverbalen. Natürlich unterhält sich Franz während der Proben mit uns über den Inhalt der Werke, aber genau hier passiert die Magie! Das Bachensemble beherrscht als Gruppe die Kunst, die tiefen und komplexen Emotionen in Bachs Werk zu verstehen und zu vermitteln, ohne dass dafür viel darüber geredet werden muss. Dies ist der emotional reifste Chor, den ich bisher in der Schweiz gehört habe. Mein tiefster Respekt gilt Franz dafür, dass er dies ermöglicht.

Auf persönlicher Ebene ist die Gruppe freundlich und offen und schafft eine positive Atmosphäre, die wir hoffentlich auch während unserer Konzerte vermitteln. Und das bringt mich zum letzten kritischen Erfolgsfaktor – dem Publikum. “Wie findet man ein Publikum für 5 Bachensemble-Konzerte pro Jahr?” ist eine Frage, die ich oft bekomme. Ja, wir haben dieses Publikum gefunden und arbeiten sehr hart daran, es zu behalten. Ich glaube, unser Publikum kommt zu unseren Konzerten, bereit, sein Herz für dasjenige zu öffnen, was Bach zu bieten hat. Als Empfänger ist das Publikum Teil dieser nonverbalen Übertragung von Emotionen und es gibt uns viel zurück, was zu Konzerten führt, die immer besser sind als die beste Probe.

Während unseres nächsten Konzerts wünsche ich mir, dass das Publikum die Hoffnung spüren wird, die nach dem Erkennen der Verzweiflung (Aus der Tiefen) entstehen kann. Nein, darüber haben wir im Chor nicht gesprochen, aber ich verspreche Ihnen, dass Sie es mit jedem Atemzug hören können.

Greet Roger

Vom Bariton zum Altus und der fast vergessene Bach-Sohn

Gastbeitrag von Solo-Altus Stefan Wieland:

Ich wurde gebeten für den Blog des Bachensembles aus dem Nähkästchen zu plaudern und wer bin ich schon um mich dessen zu wehren… Also hier nun meine Gedanken zum bevorstehenden Konzert, zu Bach im Allgemeinen und auch zum Bach-Sohn Johann Christian Bach.

Im Dezember des Jahres 2012 fand ich auf der «Avenue de l’Opéra» in Paris einen CD-Laden des Labels Harmonia Mundi. Was für ein Paradies für einen Audiophilen Menschen wie mich. So viele hervorragende Aufnahmen zu sehr guten Preisen. Unter anderem kaufte ich mir die Einspielung des Requiems und des Miserere von Johann Christian Bach. Es waren zwei Werke, die ich bis dato noch nicht kannte. Selbst den Komponisten kannte ich nur dem Namen nach. Als ich wieder zu Hause war hörte ich mir die anderen CDs die ich mir gekauft hatte an und versank in ihnen. Den Bach jedoch vergass ich total. Etwa ein halbes Jahr später fand ich die Aufnahme wieder und legte sie in den Player. Da geschah es: Ich war wie gefangen. Ich war gefangen in einer eigenen Klangwelt, die mir so noch nicht begegnet war. Was für eine Kraft, was für eine Vitalität und das in sakraler Musik. Das kannte ich bisher nur von Bach-Vater und von G.F. Händel. Dieser Bach-Sohn hatte was auf dem Kasten.

Was mir besonders im Gehör hängen blieb war die Alt-Arie des Miserere. So farbig und saftig. Ich hätte mir ja nie träumen lassen, dass ich diese Arie selber einmal singen darf, denn damals studierte ich noch im Tenorfach. Der Wechsel zum Countertenor kam bei mir erst ein halbes Jahr später. Obwohl ich schon zu Beginn meines Studiums mit diesem Stimmfach geliebäugelt hatte, startete ich als Bariton und wechselte nach einem Jahr ins Tenorfach. Jeden Sommer fuhr unsere Gesangsklasse mit unserem Professor Peter Brechbühler für eine Woche nach Frankreich in ein altes Schloss. Wir lernten da in verschiedenen Duos uns mit dem Liedrepertoire auseinanderzusetzen. Und was darf in Frankreich auf keinen Fall fehlen? Natürlich der Wein. Dieser floss auch nach dem Abschlusskonzert in Strömen und veranlasste mich, eine Jodeleinlage zum Besten zu geben. Peter war sehr angetan davon und befand meine Kopfstimme für gut genug um noch eine Stimmlage in die Höhe steigen zu können. Ich wechselte also ins Counterfach. Diesen Wechsel bereue ich bis zum heutigen Tage nicht. An dieser Stelle mal ein Dankeschön an Peter Brechbühler, dass er dieses Vertrauen in mich setzte.

Wer jetzt aber denkt, dass dieser Fachwechsel so einfach vor sich ging, irrt gewaltig. Ich musste mich nämlich damit auseinandersetzen, dass ich nur noch für ein bestimmtes Repertoire angefragt werden würde. Also keine grossen romantischen Partien, sondern Barock und neue Klassik (damals dachte ich tatsächlich noch so). Was mir jedoch die Entscheidung sehr versüsste, waren die vielen wunderschönen Arien in den Bachkantaten und Oratorien. Man denke da nur an das wunderbare «Schliesse mein Herze» aus dem Weihnachtsoratorium oder «Es ist vollbracht» aus der Johannespassion. Das ist Musik die einem einfach in die Seele geht. Dafür tauschte ich gerne jede Tenorrolle in den Mozartopern ein. Ausserdem sagte ich mir: «Wer bitteschön kann mir verbieten nicht weiter Schumann, Strauss und Brahms zu singen?» Also war es beschlossene Sache. Ich wechselte zum höchsten Fach der Männerstimmen.

Inzwischen durfte ich schon mit vielen erfahrenen Ensembles auf der Konzertbühne stehen. Ein besonderes Highlight war sicherlich das Solistenkonzert mit dem Luzerner Sinfonieorchester im KKL letzten Sommer. Ein Ensemble jedoch war mir noch verwehrt geblieben. Ein Ensemble, dessen Konzerte ich fleissig mitverfolgte und bei dem ich nur zu gerne einmal selber als Solist auftreten wollte. Ich rede natürlich vom Bach Ensemble unter der Leitung von Franz Schaffner. Es war eine grosse Freude, als mich ein Mail mit der Anfrage für das Konzert mit jungen Solisten erreichte. Endlich mit diesen tollen Musikern auf der Bühne zu stehen. Was mich jedoch verwirrte, war die Repertoireauswahl. Eine Kantate von Bach, ohne Alt-Solo. Hmmm… Das andere Werk: Miserere von Johann Christian Bach. Kenne ich nicht. Ich ging also ins Internet und suchte danach. Eine Aufnahme auf Youtube brachte dann aber Erleuchtung: ich kannte es doch! Ich erinnerte mich wieder an die Aufnahme aus Paris. Ich kramte sie hervor und hörte mir das ganze Werk wieder an. Und da war sie wieder: Die wunderschöne Alt-Arie am Schluss! Wunderbar! Ich freute mich riesig. Auch wenn sie gar nicht so einfach zu singen ist. Ja… Wirklich nicht… Das erinnert mich daran, dass ich wieder üben gehen sollte. Schliesslich wollen sie, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer ja eine tolle Aufführung erleben können. Also viel Vergnügen mit dem Konzert der jungen Solisten. Ich freue mich! Danke!

Stefan Wieland