Archiv der Kategorie: Stimmen aus dem Orchester

Vom Wunder Musik zu teilen

Gastbeitrag der Bratschistin Tiina Huttunen:

Während dem Studium am damaligen Konservatorium Luzern durfte ich das erste Mal im Bach Ensemble musizieren. Seither gab es ab und zu wieder Gelegenheit einzuspringen bis ich nun seit zwei Jahren regelmässig mitspiele.

Bevor ich mich ans Schreiben für diesen Blog setzte, schaute ich in den bisherigen Beiträgen rein und begann zu lesen. „So schön geschrieben – ach ja, so empfinde ich es auch – das stimmt genau…“, dachte ich. Was kann man dazu noch sagen? Dann wurde mir klar: Ich fühle mich in diesem Ensemble sehr wohl!

Wenn ich jeweils für die nächsten Konzerte zu üben beginne und das erste Mal die Noten aufmache, sieht die Bratschenstimme manchmal eintönig aus. Endlose Achtelbewegungen, viel gleiche Noten… Dann kommen die Streicher zusammen, Bläser dazu, der Chor, Solisten und Solistinnen. Die Puzzleteile fügen sich ein und alles bekommt einen Sinn. Dort wo die Teile sich nicht finden wollen, hilft Franz uns mit seiner feinfühligen Art, Musikalität und geschickt ausgewählten Worte sie zusammen zu setzten.

Am schönsten ist es, wenn es mir gelingt voll in die Musik einzutauchen, mitzuschwingen und zu atmen. Dann vergesse ich die einzelnen Achtelnoten und gehöre zum Ganzen. Besonderes die Musik Bachs gibt mir das Gefühl vom getragen werden.

Letztendlich im Konzert bringt das Publikum auch noch seinen Teil dazu und die Stimmung füllt die Herzen, wenn man es zulässt. Wunderbar ist, wie das gleiche Musikstück von allen Zuhörern geteilt werden kann, egal ob zwei Menschen zuhören oder das ganze KKL. Wenn das auch so mit einem Stück Schokoladenkuchen wäre?

Ich merke, dass die Weihnachtsstimmung zu funkeln beginnt und freue mich riesig auf das letzte Konzert in diesem Jahr mit dem Bach Ensemble.

Tiina Huttunen

 

 

 

Jedes Konzert ist ein Erlebnis

Gastbeitrag von Violinistin Elisabeth Zwicky:
Zum Ensemble kam ich, als ich für jemand in die Bresche gesprungen bin.

Nach langjährigem Mitwirken in einem Sinfonieorchester schätze ich den Zugang zu den Werken von Johann Sebastian Bach ganz besonders. Ich geniesse das aufeinander Hören und Spüren in der kleinen Besetzung. Die Kollegialität untereinander ist sehr befruchtend.
Unter der Leitung von Franz Schaffner erhalten wir wertvolle Anregungen und Wissenswertes über Bachs Werke. Seine genaue und inspirierende Führung unseres Ensembles und die Bereitschaft aller Musikerinnen und Musiker, ihm zu folgen, lässt unsere Konzerte immer wieder zu einem einzigartigen Erlebnis werden. Dies mit sehr wenig Proben zu erreichen, ist das Verdienst unseres Dirigenten, der es versteht, ohne Druck die Begeisterung aller Mitwirkenden zu entfachen. Die Leistung der Sängerinnen und Sänger ist bewundernswert, eignen sie sich – neben ihrem Arbeitsalltag – ihre Parts doch schon vor den Proben mit grossem Elan im Eigenstudium an.
Werke der Söhne Bachs, von Händel, Vivaldi, Stamitz und Haydn erweitern das Repertoire auf spannende Weise.
In unserem nächsten Konzert am 11. März 2018, 17.00 Uhr, bringen wir die Missa da Requiem von Christian Bach, ein frühes Werk, das gut den Uebergang vom Barock zur Vorklassik zeigt, zur Aufführung. Darauf freue ich mich und besonders auch auf das Cellokonzert von Carl Stamitz mit unserem ausgezeichneten Cellisten des Bachensembles, Jürg Eichenberger als Solist.
Jedes Konzert wird zu einem Erlebnis und dafür bin ich sehr dankbar.
Elisabeth Zwicky

Neue Nuancen noch während des Konzertes

Gastbeitrag unserer Konzertmeisterin Naomi Lozano-Tolksdorf:

Als ich vor fünf Jahren das erste mal im Bach Ensemble Luzern mitspielen durfte, war ich beeindruckt von der Freude und Begeisterung am gemeinsamen Musizieren. Die wunderbare Musik die wir spielen ist sicher einer der Gründe, die zu so einer Atmosphäre beitragen, aber auch die Art wie Franz Schaffner das Ensemble leitet, spielt dabei eine grosse Rolle. Oft erläutert er uns in den Proben spannende Fakten, Hintergründe und Symboliken zu den Werken die wir spielen, welche mich immer wieder zum Staunen bringen über diese wunderbare und unglaublich komplexe Musik. Grundsätzliche Sachen zu Phrasierungen, Artikulation etc. wird oft nur in wenigen Worten besprochen und viel mehr durchs spielen, aufeinander hören und reagieren in Einklang gebracht. Diese Reaktionsfähigkeit des Ensembles ist etwas sehr wertvolles und Franz Schaffner weiss dies auch gut zu nutzen. Es kommt durchaus vor, dass er uns Musiker sogar im Konzert noch zu neuen, überraschenden musikalischen Nuancen leitet und solche Spontanität lässt die Musik lebendig und dynamisch klingen.

Ein persönlicher Höhepunkt in meiner bisherigen Spielzeit im Bach Ensemble Luzern ist das diesjährige Programm welches J.S. Bachs grösste Werke beinhaltet. Diese haben mich schon von Kind auf als Zuhörerin unglaublich beeindruckt und sie mit dem Bach Ensemble Luzern spielen zu dürfen ist für mich ein Traum, der in Erfüllung geht. Als Christin und Musikerin empfinde ich einen besonderen Bezug zu Bach und seiner Musik. Im gleichen Sinne wie er seine Werke komponiert und jeweils am Schluss Unterzeichnet hat, möchte auch ich seine Musik spielen – Soli Deo Gloria!

Naomi Lozano-Tolksdorf

 

Das ist Bach: vielschichtig, tiefgründig und vieles mehr

Luzia Küchler spielt im Orchester Violine und schildert uns hier ihr Gedanken zum bevorstehenden Konzert:

Bald ist es wieder soweit. Unser erstes Konzert in diesem Jahr, in welchem die Johannes Passion von Johann Sebastian Bach erklingen wird, steht vor der Tür. Die Noten sind schon vor einiger Zeit eingetroffen und ich übe abwechselnd zuhause und in den Pausen zwischen den Lektionen an den Musikschulen, wo ich Violine unterrichte.

Bereits die ersten Töne des Eingangschores vergegenwärtigen mir die Stimmung dieses grandiosen Werks. „Herr unser Herrscher!“ – das müsste doch eigentlich anders klingen. Diese schleichenden Sechszehntel stellen nicht Glanz und Herrlichkeit dar, vielmehr vermitteln sie das mulmige Gefühl, dass hier etwas Ungeheuerliches im Anzug ist. Das ist Bach: vielschichtig, tiefgründig und vieles mehr.

In dieser Passion treten die Gegensätze besonders stark hervor. Die mörderischen Rufe der aufgewiegelten Menge und die Hetze der Hohepriestern, welche in hohen Stimmlagen ertönen, bilden einen klaren Kontrast zu der tiefen, ruhigen Stimme von Jesus, die seine Erhabenheit über dieses menschliche Gezänke hervorhebt. Die aufwühlende Erzählung des Evangelisten wird von besinnlichen und beschaulichen Arien und Chorälen abgelöst. Der Chor hat dabei die anspruchsvolle Aufgabe, mal aggressiv, mal einfühlend zu agieren.

In der Arie „Es ist vollbracht“ wird der Sieg über den Tod und die Auferstehung sowohl in Wort wie in der Musik angekündigt. Der Schlusschoral weist tröstlich ins Jenseits.

Ich freue mich schon auf den Samstag, an dem alle Streicher zur ersten gemeinsamen Probe zusammenkommen. Franz Schaffner arbeitet sehr konzentriert und effizient. Bei allem Feilen und aller Sorgfalt verliert er sich nie in Details. Mit klarem Blick auf das Wesentliche wählt er die Schwerpunkte der Probearbeit und behält dabei das Ganze im Auge.

Doch gelegentlich, nach intensivem Üben, ruhen die Instrumente. Das ist der Moment in dem Franz uns einige Einblicke in die Zahlensymbolik des soeben geprobten Bach Werkes gewährt. Er kann meistens nur einen kleinen Teil dieser Beispiele erläutern, da diese Musik voll von solchen verschlüsselten Botschaften ist. Das lässt uns immer wieder von Neuem staunen, und vermittelt ein vertieftes Verständnis für diese unglaublich genialen Werke.

Alle Mitwirkenden verbindet eine grosse Liebe zu dieser wunderbaren Musik. Ich sehe so viel Engagement von allen Seiten und bin überzeugt, dass jeder hier sein Bestes gibt. Vom Üben bis zum letzten Ton der Aufführung findet eine grosse Steigerung statt.

Franz versteht es in einzigartiger Weise die Spannung zu halten, so dass sich auch das Publikum dem Bann der Musik nicht zu entziehen vermag. Ich erlebe die Zuhörer immer sehr aufmerksam,- ja andächtig. Der innigste Moment aber ist die Stille, wenn der letzte Akkord verklungen ist. Hier sammelt sich noch einmal die ganze Kraft im Inneren, bis der Dirigent die Arme senkt und der Applaus beginnt.

Für all die beglückenden Momente, die ich mit dem Bach Ensemble erleben durfte und hoffentlich noch darf, erfüllt mich grosse Dankbarkeit!

 

 

 

 

 

Das Bach Ensemble Luzern ist mir ans Herz gewachsen

Gastbeitrag von unserem Trompeter Willie Röthenmund:

Als Trompeter und Corno da Caccia – Bläser spiele ich seit vielen Jahren mit grosser Leidenschaft mit dem Bach Ensemble Luzern und seinem charismatischen Leiter Franz Schaffner zusammen. Dass jedes Konzert zu einem Highlight wurde, verdanken wir den genialen Komponisten, der umsichtigen Programmgestaltung, dem ausgezeichneten Niveau und dem engagierten Einsatz jedes Sängers und Musikers und vor allem der packenden und ergreifenden Gestaltungskraft des Dirigenten, die uns alle berührt, erfüllt und beflügelt.

Meine Arbeit für das Bach Ensemble Luzern beginnt mit dem Erhalt des Jahresprogrammes, das ich immer sehnlichst erwarte, denn das Bach Ensemble hat für mich erste Priorität. Aus dem Programm ist genau ersichtlich, welche Besetzung die Werke erfordern und ob es die Blechblasinstrumente braucht. Da Franz den barocken Glanz und den festlichen Impetus liebt, sind das Corno da Caccia (ein engmensuriertes Piccolohorn für die hohen und zum grossen Teil virtuosen Partien bei Johann Sebastian Bach und anderen Barockkomponisten) und die Trompeten meist mit von der Partie. Die Noten suche ich in den Orchesterstudien oder auch im Netz, höre mir Aufnahmen der Werke an und bespreche mit Heinz della Torre (der die Gruppe koordiniert) die definitive Stimmeneinteilung. Oft gibt es auch spezifische Fragen, die frühzeitig mit Franz geklärt werden müssen, bevor die eigentliche Arbeit – das Üben beginnen kann. Die seriöse, individuelle Vorbereitung aller Musiker und Solisten ist eine unabdingbare Voraussetzung, damit das Probenkonzept aufgeht. Die Bläser stossen erst einen Tag vor dem Konzert zu den Streichern und dem Chor, das heisst: Jeder beherrscht seine z.T. sehr solistischen Partien und die Probe dient einzig dazu, Solisten, Chor und Orchester harmonisch zu einem Gesamtkunstwerk zusammenzufügen und die Interpretation und Intentionen Franz Schaffners gemeinsam zu realisieren. Am Konzerttag gibt es zwar noch eine Generalprobe (drei Stunden vor dem Konzert), aber da der Fokus auf dem Konzert liegt, versuchen wir dabei haushälterisch mit unserer Lippenkraft umzugehen.

Die Proben und Konzerte in der wunderbaren Franziskanerkirche, die ich von ihrer Architektur und Akustik beim Spielen immer wieder als Kraftort erlebe und die Weihnachtskonzerte im KKL sind einzigartige und unvergessliche Erlebnisse, bei denen hochkarätige Solisten, wie im Jahr 2015 der einzigartige Trompeter Immanuel Richter oder in diesem Jahr der Spitzengeiger Daniel Dodds die glanzvollen Sternstunden krönen.

Im September Konzert 2016 spielen wir Bachs Kantate BWV 29 «Wir danken dir, Gott, wir danken dir». Dies gibt mir das erste Stichwort für meinen Blog: Neben dem Dank nach oben ist es mir ein Bedürfnis, allen Sängerinnen und Sängern, Musikerinnen und Musikern des Bach Ensemble Luzern für die unzähligen seelisch tiefgründenden Empfindungen beim Kammermusikalischen Zusammenspiel herzlich zu danken. Ebenso danke ich Franz Schaffner und meinen ausgezeichneten Kollegen Immanuel Richter, Markus Wünsch, Heinz della Torre und Thomas Portmann für die schönsten und spannendsten Weiterbildungsstunden während meiner musikalischen Laufbahn. In den Dank einschliessen möchte ich auch das treue Publikum. Blickt man von der Bühne in den Zuhörerraum, entdeckt man zahlreiche Stammgäste und Liebhaber geistlicher Musik. Es ist wunderbar, dass unsere klingende Botschaft – fast 300 Jahre nach ihrer Entstehung – auch heute noch auf offene Ohren stösst.

Das zweite Stichwort entnehme ich den «Vier Jahreszeiten» von Antonio Vivaldi: L’Autunno. Auch ich stehe als über 60-Jähriger im Herbst meines Lebens. Meine Leidenschaft für die barocken Meister ist ungebrochen, aber das professionelle Niveau der Interpreten (vergleiche mit Konzerten von Spitzenensembles, CD-Einspielungen oder auf YouTube) ist ständig am Steigen und verhält sich umgekehrt proportional zu der Leistungskurve während eines Menschenlebens. Die Anforderungen der Piccolo-Trompetenstimmen in den Werken Bachs sind meiner Ansicht nach vergleichbar mit dem Spitzensport, wo es gilt, im entscheidenden Moment punktgenau die maximale Leistung abrufen zu können und dies darüber hinaus mit scheinbarer Leichtigkeit und musikalischem Charme.

So werde ich wohl bald meinen Platz auf dem Podium einem jüngeren Musiker frei geben, dem roten Faden in jedem Programm Franz Schaffners mit Freude und Interesse folgen und die hinreissenden Klänge des Bach Ensemble Luzern auf der «andern Seite» als Hörer geniessen dürfen.

Willi Röthenmund