Reto Hofstetter

Wenn Werke gelebt statt dirigiert werden

Gastbeitrag des Tenors Reto Hofstetter:

Es ist für mich eine grosse Freude das Konzertjahr 2018 eröffnen zu dürfen. Seit vielen Jahren darf ich jetzt schon  mit und unter dem Dirigat von Franz Schaffner  bei den Bachkonzerten mitwirken. Wobei der Ausdruck „unter dem Dirigat“ gerade bei Franz Schaffner völlig verfehlt ist.  Zwar würde niemand aus dem Chor, dem Orchester oder von den Solistinnen und Solisten  auch nur einen Moment an seiner Kompetenz und seinem Wissen zweifeln oder seine Anweisungen in Frage stellen wollen. Trotzdem scheint es ihm ein Anliegen zu sein, niemals belehrend oder unterweisend sein zu wollen. Er dirigiert die Werke nicht, sondern er lebt sie.  Er lässt dadurch die Mitwirkenden die Musik erleben  und  die Zuhörer an seiner Passion teilhaben.

Er ist sozusagen der primus inter pares. Er wagt es sogar im Ganzen zu verschwinden, um dem einen Platz zu machen, das ihm wichtig ist: der Musik von Johann Sebastian Bach. Für Franz spielt es auch keine Rolle, ob es die intimen Bach Schemelli Lieder für Orgel und Stimme sind (meine erste Begegnung mit Franz) oder die grossen Werke wie eine Johannespassion, die gerade aufgeführt werden. Für ihn sind es alles Meisterwerke.

Als Sänger ist es eine besondere Freude mit Franz zu musizieren, da er beim Dirigieren oder an der Orgel immer versucht, den Sänger zu unterstützen.  Er hört zu, führt, lässt geschehen und geniesst die Musik eines der grössten Komponisten, die je gelebt haben.

Allerdings wird sich der Zuhörer sicher genauso  für das Requiem von Johann Christian Bach begeistern können.  Das Requiem hat es wirklich  verdient, dass man es quasi wieder ausgegraben hat.  Die Lieblichkeit dieser Musik  geht direkt ins Herz. Auch wenn die Komposition möglicherweise für ein Requiem etwas zu wenig in die emotionale Tiefe des Textes geht, wie wir es aus dem späteren Requiem von W.A. Mozart kennen.  J.C. Bach und der junge W.A. Mozart haben sich offenbar gekannt und sogar zusammen musiziert. Leopold Mozart hat die Kompositionen von J.C. Bach sehr geschätzt und seinem Sohn Wolfgang Amadeus  zum Studium empfohlen.

Reto Hofstetter