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“Nicht Bach, sondern Meer sollte er heißen!”

Gastbeitrag von Bariton Wolf Latzel

“Nicht Bach, sondern Meer sollte er heißen!” So schrieb einst der große Beethoven mit höchster Bewunderung über Johann Sebastian Bach.

Welch unerschöpflicher Reichtum steckt in dieser Musik, welche Tiefe und Intensität in den kirchlichen und weltlichen Kompositionen. Seine Musik fließt stets, ist nie unbeweglich. Sie breitet sich unendlich aus, ist in ihren Dimensionen unerforschlich wie das Meer.

In Ostdeutschland in der Nähe von Leipzig geboren und aufgewachsen habe ich natürlich eine besondere Verbindung mit dem bachsche Œuvre. Jeder Musiker, der hier aufwächst, saugt seinen Geist sozusagen bereits mit der Muttermilch auf.
Hier war Bach 27 Jahre lang Kantor der Thomaskirche, und hier schuf er einige seiner größten Meisterwerke. Diese Präsenz ist auch heute noch immer deutlich spürbar.

Schon während meines Studiums hatte ich das Vergnügen, sonntagmorgens in den Gottesdiensten seine Kantaten mitgestalten zu dürfen.

Diese enge Verbindung ist bis heute geblieben, und so ist Bach ein fester Bestandteil meines Repertoires. Auch wenn ich natürlich viele andere Komponisten sehr schätze, zu Bach kehre ich immer wieder voller Freude zurück. Um bei dem Bild vom Anfang zu bleiben: Es ist, als würde man in ein Meer schauen: Es ist so klar, dass man meint, bis auf den Grund sehen zu können. Doch es wird immer tiefer und tiefer, je mehr man sich damit beschäftigt.
Bach ist ein Wunder, seit 269 Jahren tot, ist er heute so lebendig wie nie.

Beim Luzerner Bachensemble wird sein Schaffen seit Jahrzehnten auf ganz besondere Weise gepflegt. Und es ist mir immer wieder eine große Freude, mit diesen hochmusikalischen und leidenschaftlichen Sängerinnen und Sängern sowie dem feinfühligen Orchester gemeinsam musizieren zu dürfen.
Mit Franz Schaffner entstehen dabei, scheinbar wie von selber, ganz wundervolle künstlerische Momente. Völlig unaufgeregt stellt er sich dabei in den Dienst der Kunst und erspürt die Essenz der Werke. So gedeiht Großartiges.

Bach unterschrieb viele seiner Briefe mit den Worten: „ganz gehorsamst-ergebenster Diener“.
Seien wir heute ihm ergeben und bringen seine Musik voller Dankbarkeit und Freude zum Klingen.