Johann Wilhelm Hertel

Wer kennt diesen Komponisten? Hat er mit Johann Sebastian Bach Gemeinsames?

Dazu zuerst Biographisches: Johann Wilhelm Hertel ist 1727 in Eisenach geboren, wie Bach, aber 47 Jahre später. Er entstammt einer Musikerfamilie wie Bach. Er studiert Violine und Tasteninstrumente, sehr ähnlich wie Bach. Schon früh zeigt sich musikalische Reife, nicht anders bei Bach.

Als 12-jähriger ist er als Cembalist bei Konzertreisen dabei, 17-jährig wird er in die Hofkapelle von Strelitz aufgenommen. Als 26-jähriger kommt er an den Hof von Schwerin. Nebst der Musik öffnen ihm weitere Standbeine neue Perspektiven: Er wird Privatsekretär am Hof und bereits mit 43 Jahren zum Staatsrat befördert. Sein Lebensradius ist nicht gross. Über Kontakte zu Berlin mit den Brüdern Georg und Franz Benda sowie Carl Philipp Emanuel Bach geht dieser nicht hinaus. Sein Wirkungskreis beschränkt sich auf das Gebiet Mecklenburg.

Hertel hat eine Autobiografie verfasst. Sie vermittelt den Eindruck eines liebenswerten Menschen, der sich bescheiden zurücknahm. Diese Bescheidenheit verhinderte vermutlich die Veröffentlichung seiner Werke. Allesamt blieben sie in Manuskriptform und gelangten nicht in Druck. Über den Schweriner Hof hinaus waren seine Werke also kaum bekannt.

Dabei ist sein künstlerisches Vermächtnis beachtlich. Es gibt viel Vokalmusik mit Messen, Passionen, mit weltlichen und geistlichen Kantaten und zahlreichen Liedern.

Dazu kommen Violinkonzerte und Konzerte für Tasteninstrumente (ist ja seine musikalische Herkunft), Kammermusik und Sinfonien. Darunter ist eine Sinfonie mit Beteiligung von acht Pauken. Bereits Hertel begann also experimentierfreudig die melodische Funktion der Pauken auszuprobieren.

Hertel komponierte zudem zwischen 1747 und 1753 drei Konzerte für die Naturtrompete. Am Schweriner Hof war auch der Hoftrompeter Johann Georg Hoese angestellt (mit gleichem Jahrgang wie Hertel). Das vorliegende erste Konzert ist gleichzeitig das umfangreichste der drei.

Es verlangt dem Solisten enorm viel ab, mit Sprüngen und Tönen in höchster Lage. Im dritten Satz ist der höchste Ton zu vernehmen, den Hertel je für Trompete schrieb. Es gab zu seiner Zeit wohl nicht mehr viele Trompeter, die diese Musik spielen konnten.

Die Zunft der Clarinbläser war bereits am Aussterben, da sie nicht mehr die frühere wichtige Funktion der Hoftrompeter besetzten. Clarinbläser hatten die Fähigkeit, auf Naturtrompeten in höchsten Lagen zu spielen. Weil in diesen hohen Lagen die Naturtöne nahe beisammen sind, sind Melodien zu spielen möglich. Das ist aber auf Grund des erforderlichen Drucks eine anstrengende Sache.

Der zweite Satz, mit seiner besonderen Ausstrahlung, wird unter Liebhabern wie Fachleuten zu den schönsten langsamen Sätzen der Trompetenliteratur gezählt.

Erst währender der vergangenen 50 Jahre brachte emsige Forschung solch unbekannte Musik wieder zu Tage. Diesen Arbeiten der Musikwissenschaft verdanken wir Juwelen wie dieses Trompetenkonzert, zum Glück.

Ulrich Simon Eggimann: Ich musiziere ausgesprochen gerne mit dem Bach Ensemble Luzern

Meine Verbindung zum Bach Ensemble Luzern besteht ziemlich genau so lang, wie ich mich beruflich als Sänger auf den Konzertpodien in der Schweiz und im Ausland bewege. Zum ersten Mal bin ich 1989 mit dem Bach Ensemble aufgetreten. Da rechnet sich schnell das Vierteljahrhundert, das inzwischen verstrichen ist. Eine lange Zeit. Und genau diese Zeit macht auch meine Beziehung zum Bach Ensemble aus. Ich war seinerzeit als junger Sänger zutiefst erfreut, als eines meiner ersten Engagements, eine Anfrage aus Luzern bekommen zu haben. Ich kannte den Dirigenten Franz Schaffner noch nicht, lernte ihn dann aber schnell als menschlich wie musikalisch wunderbaren und hochkompetenten, umsichtigen Chor- und Orchesterleiter kennen. Es war für mich auch der Einstieg in die Musik des grossen Meisters des Barock, Johann Sebastian Bach. Das hat mich bis heute geprägt. Eigentlich habe ich damals ein erstes Mal die Musik von Bach begriffen. Und dieses Erlebnis hilft mir noch heute bei meiner Berufsausübung.

 

Zu dieser Erfahrung als Sänger gesellte sich der Umstand, dass ich seinerzeit beim Bach Ensemble in eine Familie aufgenommen wurde, die über all die Jahre immer zu mir gestanden ist. Ich bin sicher, dass gerade auch dieses Gefühl der Familie Garant für die immer wieder hochkarätigen Konzerte des Bach Ensembles war und noch lange bleiben wird. Ich weiss, das Showbiz hat auch vor der klassischen Musik nicht Halt gemacht; sogar die Kirchenmusik konnte sich nicht vor der Schnellebigkeit der heutigen Zeit schützen. Da hat das Bach Ensemble nicht mitgemacht. Gut so – so konnte eine hohe Klangqualität und eine wirkliche Tiefe in Bezug auf ernste Nachempfindung der grossen Werke der Kirchenmusik erhalten bleiben. Das freut mich für das Luzerner Bach Ensemble, wie es mich auch für mich persönlich freut, weil ich immer noch zu dieser Familie gehöre.

 

Ulrich Simon Eggimann, Bühnen- und Konzertsänger

Chorsängerin Verena Lorenz: Singfreuden im Bach Ensemble Luzern

Das „Bachjahr“ fängt bei mir an mit dem Studieren des Jahresprogrammes. Damit beginnt die Vorfreude auf kommendes Musizieren. Sobald ich die Notenhefte habe, „schneugge“ ich darin und freue mich auf das Wieder-Singen und auf das Entdecken von Neuem.

Diesmal ist es einmal ein Neu-Entdecken und einmal ein Wieder-Singen. Die Kantate BWV 105 kenne ich noch nicht und ich bin gespannt, wie sie tönt. Die Aufnahme, die ich auf youtube gehört habe, tönt vielversprechend.

Ich höre mir die Kantate BWV 147 nach langer Zeit wieder an und bin sogleich wieder „drin“. Im Juni 1987 und im Juni 1997 haben wir „Herz und Mund und Tat und Leben“ aufgeführt.

Die Vorfreude steigt mit den Proben. Ich bin immer wieder gespannt auf das erste Zusammentönen aller Stimmen und bin immer erstaunt, wie gut es schon klingt. Die Arbeit beginnt natürlich jetzt erst richtig und Franz schafft es stets, das Bestmögliche aus uns heraus zu holen.

Die Vorfreude wird zur grossen Freude am Konzerttag. Diesmal höre ich schon das imaginäre Raunen das durch die Zuhörerreihen geht, wenn „Jesus bleibet meine Freude“ erklingt.

Die Tage nach dem Konzert sind ein freudiges Nachklingen mit den Melodien, die noch einige Zeit im Ohr bleiben, mit Kommentaren vom Konzertpublikum und auch mit einem wohlwollenden Zeitungsbericht, der mir Freude macht.

Verena Lorenz